Das heisse Eisen
In der alt-katholischen Kirchen diskutiert man über die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Warum man eine andere Haltung zu homoerotisch empfindenden Menschen einnimmt, soll folgender Artikel darstellen.
Glaube und (Homo)-Sexualität
Sexualität ist in allen Kirchen über lange Jahre ein heißes Eisen gewesen und ist es vielfach immer noch, wird doch ein wichtiger Bereich unseres Lebens berührt.
Bibel und Sexualität
Anders als es viele vermuten, redet die Bibel sehr offen von Sexualität und auch sehr lustvoll. Wer nachspüren möchte, wie sich Menschen vor Liebe verzehren, sollte das Buch Hoheslied lesen. Liebeslyrik vom Hofe des König Salomo, die im Judentum so hoch geachtet wurde, daß sie am Passahfest gelesen wurde, als Abbild der Liebe zwischen Gott und Mensch.
Der Prophet Hosea heiratete eine Hure, um ein Zeichen zu setzen. Er erlebte die Untreue seiner Frau genau so wie Gott die Untreue Israels erlebt haben mag. Abfällig über Sexualität hat er aber nie geredet.
Im Buch Genesis (Kapitel 38) verkleidet sich Tamar als Dirne, um Juda zu verführen. Sie bekam so von ihm das Kind, das ihr als Ehefrau von Judas erstem Sohn zustand (Eine wunderschöne Geschicht übrigens, wie eine Frau einen Patriarchen an der Nase herumführt. Dieser reagiert übrigens genau so, wie manche Männer heute auch reagieren würden). Diese Frau hatte in Israel so eine große Achtung, daß sie in der Tradition zur Vorfahrin Davids wurde und damit wurde sie auch zur Vorfahrin von Jesus.
Jungverheiratete Männer waren vom Wehrdienst ausgeschlossen, damit sich die Liebenden "einander erfreuen".
So freudvoll war es in Israel.
Bibel, Homoerotik und Sexualität
Die Bibel kennt enge Freundschaften zwischen Männern (David und Jonathan) und Frauen (Ruth und Mara). Das Buch Ruth sollte jeder gelesen haben, der wissen möchte, was Liebe ist.
Auch Jesus hatte im Johannesevangelium enge Beziehungen, zu Maria Magdalena und zum Jünger, den er liebte. Der Jünger, den er liebte, lag an seiner Brust, als er mit den Jüngern das letzte Abendmahl feierte. Und genau die, die Jesus so innig liebten, haben ihn als erste als Auferstandenen erkannt. Liebende sehen mehr, auch im Glauben.
Über Sex wird in der Bibel fast ausschließlich nur geredet, wenn es anschließend Kinder gab. Da Jesus keine leiblichen Kinder hat, wird im Neuen Testament nicht davon berichtet. Er lebt in denen weiter, die seinen Geist empfangen haben: In uns der Kirche.
Emotionale Beziehung zwischen Männern und zwischen Frauen, waren in der Bibel kein Problem, wohl aber wird an einigen Stellen homosexuelles Handeln zwischen Männern verdammt. Man muß immer die Umstände sehen. Ort damaliger männlicher Homosexualität war der kanaanäische Fruchtbarkeitskult und der stand in Konkurrenz zur Religion Israels. Jahwe, der Gott Israels ist aber eifersüchtig. Das Verbot homosexuellen Handelns sollte vor einem Abfall vom Glauben an den einzigen Gott Jahwe bewahren. Außerdem war es, anders als heute, unbekannt, daß es eine persönliche Disposition ist, zum eigenen Geschlecht zu tendieren. Biblische Aussagen müssen immer in ihrem zeitlichem und sozialem Hintergrund gesehen werden. Eine pauschale Verdammung homoerotisch empfindender Menschen ist durch die Bibel nicht zu rechtfertigen.
Die Haltung der alt-katholischen Kirche zur Homosexualität
Gerade daher sind wir als Kirche verpflichtet unsere Haltung zur Homoerotik und homosexuellen Handlungen überdenken, wenn wir wissen, daß es Männer und Frauen gibt, die von Gott so begabt sind. Und wenn Gott es so gemacht hat, daß ein Mann Männer liebt und eine Frau Frauen liebt, sind sie dann schlecht? Mit Sicherheit nicht.
Manche Theologen tun sich in Fragen der Sexualmoral schwer und dabei wird alles so leicht, wenn man es von der Liebe Gottes her sieht. Die Liebe zwischen zwei Menschen, die ihre Sexualität liebevoll und verantwortungsbewußt erleben, ist ein Raum, in dem sie die Liebe Gottes nachspüren können. Dies gilt auch für gleichgeschlechtliche Paare.
Deshalb spricht man in einigen Bistümern Gemeindemitgliedern, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft eingehen, auch Gottes Segen zu.
Stefans und Franks Freundschaft wurde mit folgenden Worten gesegnet:
Segnung
Gott, du unsere Mutter und unser Vater, unser Leben ist in deiner Hand. Wir gehören dir, du läßt uns nie allein. Wir danken für deine Sorge, die du zu allen Zeiten um uns Menschen hast.
Du begleitest unser Leben, wohin immer wir auch gehen.
Wir bitten dich für Frank und Stefan. Gib ihnen deinen Geist, damit sie erkennen, daß du sie füreinander bestimmt hast. Hilf ihnen, den Weg ihres Lebens gemeinsam zu gehen.Halte deine schützende Hand sie, daß sie in aufrichtiger Liebe und Verantwortung ihr Leben gestalten. Laß sie im Glauben and dich und in gegenseitigem Vertrauen immer tiefer zueinander finden, damit ihr Leben in Liebe - zur Freude und zur Hoffnung für alle werde, die ihren gemeinsamen Lebensweg begleiten.
Darum bitten wir dich durch Jesus, deinen Gesalbten, der in deinem Geist in unserer Mitte lebt, jetzt und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit.
Amen.
weitere Informationen:
Die Meinung des österreichischen Bischofs Bernhard Heitz
Die Meinung des schweizer christkatholische Bischofs Fritz Renè Müller
Erklärung der Internationalen altkatholischen Theologenkonferenz 2001