Warum
die
Synode
der Altkatholischen Kirche Österreichs
es
für möglich hält, gleichgeschlechtliche Partnerschaften,
die
auf Dauer angelegt sind, zu segnen:
Ein Beitrag von Bischof Bernhard Heitz: 
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weil konkrete Menschen und Anfragen in unserer
Kirche den Anstoß für den synodalen Prozeß und die Entscheidung
gegeben haben,
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weil wir dazu beitragen möchten, daß
homosexuell liebende und lebende Menschen (auch Amtsträger) in unserer
Kirche angenommen werden,
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weil wir mithelfen möchten, daß
gleichgeschlechtliche Partnerschaften auch gesellschaftlich angenommen
und staatlich geschützt werden (Besuchsrecht am Krankenbett, Auskunftspflicht
von Ärzten, Erb-, Wohnrecht u.ä.),
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weil uns der Glaube verpflichtet, für
Menschen am Rande, die der Hilfe und des Heiles Gottes bedürfen, den
Weg des Evangeliums zu suchen (ebenso wie für solche, deren Ehe zerbrochen
ist und die wieder heiraten, für Alleinerziehende u.a....),
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weil Gott die Liebe und in jeder menschlichen
Liebe anwesend ist (1 Kor 13),
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weil die Frucht der Liebe immer nur die Liebe
ist, ("Hohes Lied der Liebe"),
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weil es um liebende Menschen geht in gegenseitiger
Zuneigung, mit Freude aneinander und in gegenseitiger Annahme, Verantwortung
und Rücksichtnahme,
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weil die Liebe mehr ist als Sexualität,
diese aber zum ganzheitlichen Ausdruck menschlicher Liebe gehört,
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weil alle Menschen - ob Homosexuelle, Heterosexuelle
oder Zölibatäre - Gottes geliebte Kinder sind,
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weil "Liebe" nicht auf sexuelle Vorstellungen
oder Praktiken reduziert werden darf,
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weil keine Macht der Welt die Liebe verbieten
kann,
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weil die Kirche den Geist Jesu verläßt,
wenn sie Sexualität als Schöpfungsgabe Gottes tabuisiert und
die Homosexualität nur im Kontext des Mißbrauches sieht,
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weil Mißbrauch der Sexualität nichts
mit Liebe zu tun hat (Sexuelle Ausbeutung von Kindern, Gewalt gegen Ehepartner,
sexuelle Übergriffe auf Abhängige, Pornographie, Prostitution,
Perversion...) und das Böse durch das Gute überwunden werden
muß,
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weil die Würde und der Wert der Liebe
nicht davon abhängig ist, ob daraus menschliches Leben (proles) hervorgeht,
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weil Sexualität von allen Menschen, seien
sie zölibatär lebend oder heterosexuell bzw. gleichgeschlechtlich
liebend, verantwortlich und personal gelebt werden muß,
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weil die Humanwissenschaften von einer Gegebenheit
der Veranlagung/Prägung/Orientierung sprechen, die nicht einfach frei
gewählt oder willentlich umgekehrt werden kann,
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weil etwa fünf Prozent der Menschen (nachgewiesen
in allen Völkern und Kulturen und zu allen Zeiten) gleichgeschlechtlich
empfinden und heute auf ein Signal der Ermutigung und auf den Abbau von
Vorurteilen hoffen,
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weil Urteile wie "widernatürlich", "pervers",
"krank" humanwissenschaftlich nicht haltbar sind,
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weil wir im innerkirchlichen Zusammenhang
nur die ausschließliche, echte bzw. Neigungshomosexualität meinen,
nach welcher sich jemand sein Leben lang zu einem Menschen des eigenen
Geschlechts hingezogen fühlt (nicht gemeint ist die entwicklungsbedingte
oder situationsbedingte Form der Homosexualität),
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weil Altkatholiken immer offen waren für
die Ergebnisse der modernen Wissenschaften (Psychologie, Medizin, Biologie,
Soziologie) und diese in ihrem theologischen und innerkirchlichen Gespräch
berücksichtigt haben,
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weil es sich - entgegen allen gängigen
Vorurteilen, Erklärungsversuchen und Entstehungstheorien - um ein
vielfältiges Phänomen handelt, das sich einer Beurteilung als
"in jedem Fall sündhaft" entzieht,
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weil alle Menschen für ihr Zusammenleben
im Alltag den Segenszuspruch Gottes brauchen,
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weil Menschen, die um einen Segen bitten,
nicht weggeschickt werden können,
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weil Segen das äußere Zeichen der
inneren Zuwendung Gottes an den Menschen ist,
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weil die Zustimmung zu einer erbetenen
kirchlichen Segnung als Lebenshilfe und im Sinne eines "Bewältigungsritus"
verstanden wird, der Identitätsfindung dient und so zu einem Zeichen
menschlicher Verläßlichkeit wird,
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weil der Segen zutiefst die Zusage Gottes
an den Menschen bedeutet, in der Perspektive der Hoffnung und Versöhnung
leben zu dürfen,
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weil jede menschliche Lebensform eine ihr
gemäße "Initiation" erfordern kann bzw. braucht, um auch zum
Segen für andere zu werden,
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weil sich im Segen Gott selber dem Menschen
zuwendet und ihm sein Heil verheißt,
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weil die einschlägigen biblischen Stellen
(Lev 18,22; 20.13; Gen 19,4-11; Ri 19,22-26; 1 Kor 6,9-11; 1 Tim 1,10;
Röm 1,26-27) in historisch-kritischer Bibelexegese nichts zu gleichgeschlechtlicher
Liebe sagen,
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weil die Bibel die Liebe von zwei Frauen überhaupt
nirgends erwähnt,
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weil Jesus nie von Sexualität, aber immer
von Liebe spricht,
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weil Jesus sich zum Ärgernis vieler Zeitgenossen
den Ausgegrenzten und Ausgesetzten liebend zugewandt hat und wir ebenso
handeln müssen,
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weil es nach dem Zeugnis der Schöpfungsgeschichte
für keinen Menschen gut ist, allein zu leben (Genesis),
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weil nichts Geschöpfliches bzw. in der
Schöpfung Gegebenes und Menschliches von vorne herein "in sich" schlecht
sein kann, sondern alles vielmehr geheiligt wird, wenn es mit Dank und
Gebet angenommen wird (1 Tim 4,1-4),
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weil die Weisungen in Levitikus (Kapitel 17-26,
Heiligkeitsgesetz) den Sinn haben, die Religion Israels vor Einflüssen
fremder Kulte (Fruchtbarkeitskulte, "Greuel" = Götzendienst) zu schützen
und in ihnen die personale Liebe zwischen Menschen gar nicht in den Blick
kommt,
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weil es im Buch Genesis (19,4-13) in erster
Linie um den Schutz des im Orient heiligen Gastrechtes geht, während
die beiden Töchter Lots sein Besitz waren und er sie deshalb als "Ersatzgabe"
anbieten kann (vgl. auch Ri 19,22-26),
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weil die neutestamentlichen Aussagen (Röm
1,26-27, 1 Kor 6,9-10 und 1 Tim 1,9-10) vor ungeordneten, willentlichen
Begierden, Lastern und Perversionen des Menschen (Lasterkatalog)
angesichts der Wirklichkeit in der damaligen griechischen Welt warnen und
so handelnde Menschen zur Umkehr auffordern, aber nichts von einer unumkehrbaren
Veranlagung wissen,
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weil antike Vorstellungen und Praktiken in
der griechischen und außerisraelitischen Welt (z.B. Knabenliebe)
nicht unserer Kultur entsprechen und eine Wiederkehr dieser kulturell bedingten
Auffassungen heute nicht gegeben ist,
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weil homosexuelles Verhalten im Alten Testament
und Neuen Testament als Teil des Kultes fremder Götter und anderer
heidnischer Kulturen abgelehnt oder als Strafe Gottes, die über ursprünglich
heterosexuelle Menschen verhängt ist, gesehen wird, während partnerschaftliche
Liebe in den angeführten Zusammenhängen nicht thematisiert ist,
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weil in der Frage der Homosexualität
ein direkter Rückgriff auf die Bibel nicht möglich ist und sich
uns Heutigen das Problem völlig anders darstellt,
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weil die Heilige Schrift von solcher Veranlagung
nichts weiß, sondern von homosexueller Praxis an sich heterosexueller
Männer spricht,
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weil in der Bibel vielmehr isolierte Sexualität
Mißbrauch ist und zur sündhaften Verfehlung führt (z.B.
Vergewaltigung als Demütigung von Frauen und Männern und homosexuelle
Praktiken heterosexueller Männer),
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weil historische Normativsetzungen, z.B. der
Ehe "als Fessel sexueller Begierde" (Augustinus) oder als "Liebesverhältnis"
verstanden (Romantik) - in analoger Weise - andere Partnerschaftsformen
heute nicht einfach wertlos macht und in einem anderen Licht erscheinen
läßt,
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weil Sexualmoral dem Wandel der Zeiten unterworfen
ist und jeder Mensch auf Grund seiner Würde ein Recht auf seine sexuelle
Identitätsfindung hat,
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weil Menschen immer auch Lernende sind und
erfüllte Beziehungen zwischen Menschen vielfältig gelingen können,
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weil niemand wegen seines Geschlechtes oder
wegen seiner geschlechtlichen Prägung bzw. Orientierung oder Veranlagung
diskriminiert werden darf,
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weil gleichgeschlechtlich liebende Menschen
in Konzentrationslagern umgebracht worden sind und die vorhergehende Diskriminierung
der Auslöser für ihre Ermordung war,
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weil damit der Anfang vom Ende einer Diskriminierungsgeschichte
theologisch und kirchlich eingeleitet wird.
Literatur: Peter Bürger, Da war
unser Mund voll Lachen, Eigenverlag Düsseldorf 1996 (Mit Segensformularvorschlägen
aus dem europäischen Kontext)
Deutsche Texte (Altkatholisches
Heft für die Gemeindearbeit), Österreichische Texte (Altkatholische
Dokumentation der Diskussion 1992-1994), EKD-Texte, Dokumente der Evangelischen
Kirche Österreichs (u.a. Synodenentscheidungen, Amtsblatt Dezember
1997) u.a.
+ B. Heitz
Bischof