21.02.1725 - Bruch zwischen Rom und der Kirche von Utrecht
St. Willibrord |
Die
Anfänge der Kirche von Utrecht in Holland gehen zurück auf den
heiligen Willibrord, einen angelsächsischen Mönch, der Apostel
der Friesen genannt wird. Im Jahre 695 wurde er der erste Erzbischof von
Utrecht.
Die
Kirche von Utrecht war immer eine Kirche, die nicht besonders romorientiert
war. Die Wahl des Bischofs war seit dem Mittelalter Aufgabe der Kanoniker
der fünf Kapitelskirchen. In der Kirche von Utrecht wurde das Lesen
der Bibel gefördert und auch landeseigene Überlieferungen im
Gottesdienst wurden bewahrt.
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Eine
Kirche mit einer alten Tradition
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Im
Zeitalter der Reformation brachen für die Kirche von Utrecht schwere
Zeiten an. Die nördlichen Niederlanden wurden nämlich protestantisch.
Während des Befreiungskrieges der Holländer (1568 - 1648) gegen
die Spanier wurden Katholiken verdächtigt, mit den Spaniern zusammenzuarbeiten.
Die Utrechter Kirche hatte daher lange Zeit unter dem Mißtrauen des
calvinistischen Bevölkerungsteils zu leiden. Die Ausübung des
katholischen Gottesdienstes war offiziell verboten. Gottesdienste konnten
nur im geheimen in sogenannten „Versteckkirchen“ gefeiert werden und .
Diese waren als Scheunen oder als gewöhnliche Häuser getarnt.
Einige sind auch heute noch erhalten.
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Zeit
der Reformation - Zeit der Krise
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Ab
1592 kamen Mitglieder des Jesuitenordens in die Niederlande. Für sie
war das Land zum Missionsgebiet geworden. Ihre Tätigkeit führtezu
einer Verschärfung des Gegensatzes zwischen Katholiken und Protestanten
und entzweite zudem den katholischen Bevölkerungsteil. Manche Gemeinden
scharten sich um Ordensgeistliche, andere um die niederländischen
Weltgeistlichen. Die Weltgeistlichen waren in Belgien ausgebildet und von
der französischen Theologie beeinflußt. Infolge der Flucht vieler
französischer Theologen in die Niederlande, die als 'Jansenisten'
in Frankreich verfolgt wurden, war der Einfluß der französischen
Theologie auf die Kirche von Utrecht groß.
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Das
Kommen der Jesuiten wirkt polarisierend
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Der
Jansenismus war eine Reformbewegung in der katholischen Kirche, die durch
das Buch Augustinus des Yperner Bischofs Cornelius Jansen ausgelöst
wurde (das Buch wurde erst nach dem Tod von Jansenius veröffentlicht!).
Mit ihrer Ernsthaftigkeit und ihrem hohen moralischem Ideal gerieten die
Jansenisten in Gegensatz zur laxen Moral der Jesuiten, die das Werk von
Jansen beim Papst denunzierten. Das Buch von Cornelius Jansen wurde schließlich
auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.
Der
Utrechter Erzbischof Petrus Codde wurde auf Betreiben der Jesuiten in Rom
als Jansenist verdächtigt und vom Papst nach Rom vorgeladen. Er wurde
1702 von Rom für abgesetzt erklärt, was aber von der utrechter
Kirchenprovinz nicht akzeptiert wurde. Nach dem Tod von Petrus Codde (1710)
wählte das Domkapitel schließlich im Jahr 1723 Cornelius Steenoven
zum Nachfolger Coddes als Erzbischof von Utrecht. Zuvor waren renommierte
Kirchenrechtler hinsichtlich der Rechtmäßigkeit einer solchen
Wahl ohne Zustimmung Roms befragt worden. Cornelis Steenoven empfing die
Bischofsweihe vom französischen Missionsbischof Dominicus
Maria Varlet. Dem Papst wurde die Bischofswahl und die Weihe angezeigt,
aber der verweigerte die Zustimmung. Am 21. Februar 1725 kam die
Antwort aus Rom: Cornelius Steenoven und das Domkapitel von Utrecht wurden
exkommuniziert.
Damit war der Bruch
mit Rom ein Faktum. Wieder einmal hat die Frage nach der päpstlichen
Macht zum Schisma geführt. |
Jansenistenstreit
führt zur Trennung |
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Die
Kirche von Utrecht wollte nie den Bruch mit Rom. Bei den folgenden Bischofswahlen
wurde Rom die Wahl des neuen Bischofs angezeigt, woraufhin von Rom postwendend
die Exkommunikation erfolgte. Die Bischofsweihen waren jeweils sakramental
und kirchenrechtlich gültig, aber aus der Sicht Roms unerlaubt.
Die Kirche von Utrecht hat sich immer bemüht zu zeigen, daß sie eine katholische Kirche ist. Sie achtete daher sorgfältig darauf, daß die apostolische Sukzession, die Weitergabe der Bischofsweihe, bewahrt blieb. Die Rechtgläubigkeit der Kirche von Utrecht wurde auch von ihren schärfsten theologischen Gegnern nie in Frage gestellt. |
Bewahrung
des katholischen Glaubens und der apostolischen Sukzession
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Die
Streitpunkte mit dem Papst wollte man durch ein allgemeines Konzil entscheiden.
Als dann endlich ein Konzil einberufen wurde, das I. Vatikanische Konzil,
wurden die Bischöfe der Utrechter Kirche unter der Bedingung eingeladen,
sich dem Papst zu unterwerfen. Sie nahmen daher nicht am I. Vatikanischen
Konzil teil. Die neuen Dogmen von der unbefleckten Empfängnis Mariens
(1854), der Unfehlbarkeit und des Jurisdiktionsprimates des Papstes (1870)
wurden von der Utrechter Kirche nicht anerkannt.
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Kampf
um die Eigenständigkeit
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Für
die altkatholische Bistümer in Deutschland, Österreich und der
Schweiz wurde die Kirche von Utrecht sehr wichtig: Die Gegner der neuen
Dogmen wurden nach 1870 exkommuniziert, da sie den Auschluß für
ungerechtfertigt und ungerecht hielten, schlossen sie sich zu Notkirchen
zusammen, gaben sich moderne, demokratische Kirchenverfassungen und wählten
eigene Bischöfe. Diese Bischöfe erhielten ihre Weihen von Bischöfen
der Kirche von Utrecht. Alt-katholische Bischöfe und Priester sind
daher, auch nach Ansicht der römischen Kirche, gültig geweiht.
Die von ihnen gespendeten Sakramente sind daher auch aus Sicht rom-katholischer
Amtsträger gültig.
Die
Kirche von Utrecht ist auch heute noch eine kleine Kirche. Sie hat aber
im Laufe ihrer Geschichte gezeigt, daß es möglich ist, ohne
Papst katholisch zu sein.
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Bedeutung
für die alt-katholischen Bistumer
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Heute
besteht die niederländische alt-katholische Kirchenprovinz aus zwei
Bistümern (Utrecht und Haarlem). Die Zahl der Mitglieder beträgt
ca. 10.000.Auch die altkatholische
Kirche in den Niederlanden ist reformfreudig. Die letzte Synode im November
1998 hat mit großer Mehrheit die Priesterweihe von Frauen befürwortet. |
Das
Erzbistum Utrecht heute
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Die
Geschichte der Kirche von Utrecht zeigt, daß auch eine einzelne Ortskirche
ihre katholische Identität bewahren kann, ohne nach Rom schielen zu
müssen oder sich gar zu unterwerfen.
Warum haben die einzelnen Ortskirchen so wenig Mut, wenn es darum geht, wichtige Reformen in die eigene Hand zu nehmen? In
der römisch-katholischen Kirche beklagen sich viele über die
mangelnde Einsicht des Papstes. Aber wer ist schuld an diesem Zustand?
Der, der anordnet oder die, die sich - vielleicht auch murrend oder sogar
offene Opposition zeigend - aber doch unterordnen?
Die Kirche von Utrecht
hat ihre Verantwortung übernommen. |
Man
kann auch ohne Rom katholisch sein!
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