| Dominicus
Maria Varlet (1678-1742)
Dominicus Maria Varlet (1678-1742) ist der Mann, der der Kirche von Utrecht "in der Stunde grösster Verlassenheit und tiefster Not zu Hilfe gekommen ist und ihr nach einem über zwanzig Jahre dauernden bischofslosen Zeit von neuem einen Oberhirten geschenkt hat." (B.A. van Kleef) Varlet wurde am 15. März 1678 in Paris geboren. In seinem Elternhaus lernte er viele augustinisch gesinnte Priester kennen, was den Wunsch weckte, in den Kirchendienst zu treten. Er studierte im Hauptseminar der Oratorianer in Paris, die den Kreisen von Port-Royal sehr nahe standen, und promomierte 1709 an der Sorbonne. Im selben Jahr wurde er zum Priester geweiht. 1711 wurde er in die "Societé des Missions Etrangères" aufgenommen, welche ihn im folgenden Jahr nach Kanada schickte. Er wurde nach Paris zurückgerufen, weil man ihn in Persien brauchte. Papst Clemens XI ernannte ihn 1718 zum Koadjutor des Bischofs vom Babylon. Am 19. Februar 1719 wurde er zum Bischof geweiht. Am andern Tag traf in Paris die Meldung ein, dass der bisherige Bischof von Babylon schon Ende 1717 verstorben war. Varlet machte sich sofort auf den Weg in sein Bistum. Mit einem französichen Konsul reiste er nach Holland, wo er bei Cornelius Steenhoven, dem späteren Erzbischof von Utrecht einkehrte. Er nahm auch einige Firmungen vor, was in Rom allgemeine Bestürzungen hervorrief. Die Nuntiaturen in Polen und Deutschland wurden angewiesen, Varlet sofort zu verhaften. Nichtsahnend nahm Varlet ein Schiff nach Petersburg. Nach siebeneinhalb Monaten kam er endlich in Schamake, Persien, an, konnte aber wegen eines Bürgerkrieges nicht in seine Bischofsstadt Hamadan weiterreisen. 1720 überreichte ihm ein Vertreter der Kurie die Suspension, welche der Papst ein Jahr vorher ausgeprochen hatte, weil er in Holland gefirmt und die Bulle "Unigenitus" nicht unterzeichet hätte. Varlet in Holland Nach seiner Rückkehr nach Paris wehrte sich Varlet gegen seine Verurteilung, was Rom sehr übel aufnahm. Der Aufenthalt in Paris wurde zu unsicher. Varlet floh nach Holland ins Exil, von wo ihn Rom immer wieder wegzulocken suchte, besonders als das Domkapitel von Utrecht zur Wahl eines Erzbischofs schritt. Am 27. April 1723 wählte es Cornelius Steenhoven, welcher am 15. Oktober 1724 von Varlet zum Bischof geweiht wurde. Dies trug allen Beteiligten die Exkommunikation ein. Nach dem frühen Tod von Steenhoven wählte das Domkapitel Barchman Wuytiers zum Erzbischof, der 1725 wiederum von Varlet geweiht wurde. Wuytiers starb bereits 1733, noch nicht vierzig Jahre alt. Das Domkapitel wählte Theodorus van der Croon zum Nachfolger. Varlet weigerte sich nun zuerst, die Weihe vorzunehmen. In den Fragen von Wucher ("Ist es erlaubt, Zins zu nehmen?" von Varlet abgelehnt) und Wundern (wunderbare Heilungen in Holland, von Varlet verteidigt) hatte sich Varlet in eine Aussenseiterposition manövriert, in der ihm das Domkapitel aber folgen musste, um die Konsekration zu erhalten. Diese erfolgte nach eineinhalb Jahren 1734. Schon vier Jahre später starb dieser Erzbischof. Das Domkapitel wählte Petrus Johannes Meyndaerts zum Nachfolger, welcher im Oktober 1739 von Varlet konsekriert wurde. Varlet, bereits ein schwerkranker Mann, starb 1742. Mit seinem Liebesdienst hat er sich die unauslöschliche Dankbarkeit der holländischen Kirche und aller romfreien katholischen Kirchen erworben. (Quelle: B.A. van Kleef, Dominicus Maria
Varlet 1678-1742, Ein Beitrag zur Geschichte der Utrechter Kirche, IKZ
1963 und Homepage der
Christkatholischen Kirche der Schweiz)
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