Manuskript zur Sendereihe "Wir glauben, darum reden wir"

Sendung von Stefan Wedra, AKG Bozen, am 26.10.2011 im Radio Grüne Welle

 Podcast der Sendung

Ich habe mir mal meine CD-Sammlung angesehen: Eigentlich könnte man meinen, dass es in der Pop- und Rockmusik nicht gerade fromm zugeht. Hört man mal aufmerksam den Texten  zu, ist man  überrascht, wie viele Titel sich mit religiösen Themen beschäftigen.

Aber anders als die Musiktitel, die zum Beispiel im Evangeliumsrundfunk, Radio Horeb oder Radio Maria gespielt werden, sind sie genuiner Ausdruck von religiösem Alltagsempfinden, wie wir es auch bei unseren Nachbarn finden können. Aber was hinzu kommt: Musikalisch sind sie viel besser als die Titel der frommen Sender.

Da sie keinen selbst-auferlegten Denkverboten unterworfen sind, die sich kirchlich Aktive allzu gerne antun, sind sie inhaltlich erfrischend unorthodox. So wird in den Liedern durchaus auch Kritik an Gott, Religion und Kirche geübt. 

Ist dies a-religiös oder antikirchlich? Keineswegs! In der Bibel haben Menschen immer auch Kritik an Gott und ihrer Religion geäußert: das waren die Beter in den Psalmen oder die Propheten. Eine Religiosität, die versucht das Bestehende zu zementieren, ist eine Ideologie. Religion will auch das Bestehende kritisieren und  zum Wohle der Menschen verändern. 

So habe ich von 

Peter Maffay - Der Weg

gefunden, der eine kräftige Anleihe im Buch der Offenbarung gemacht hat. Der Gegensatz von Licht und Dunkel ist in allen Religionen Zeichen für den Gegensatz von Gut und Bösen, von Geborgenheit und Angst.

Das Buch der Offenbarung ist das wohl am meisten mißverstandene und auch mißbrauchte Buch der Bibel. Es handelt vom Ende der Welt, vom letzten Gericht und der Vollendung der Welt im Reich Gottes. Der Weg dorthin ist ein mühevoller und gefährlicher. Obwohl dieses letzte Buch der Bibel mit erschreckenden Bildern das Ende unserer Welt schildert, ist es doch eine Heilsbotschaft, denn die Schrecken sind Vorboten der Erfüllung unserer Hoffnung - der Vollendung der Welt in Gott. 

Die Melodie des Liedes der Weg ist sehr harmonisch fast süsslich, Peter Maffay wird fast zum Schmuserocker. Dabei sind die Zeichen in der Offenbarung schreckenerregend: im Buch mit den sieben Siegeln sind nur Plagen enthalten. Auch die Reiter in der Offenbarung bringen nur Schrecken. 

Wie kann man dennoch ein so harmonisches Lied zu solch einem Hintergrund schreiben? 

Das Buch der Offenbarung ist als Durchhalteparole für die verfolgte junge Kirche geschrieben worden. Die angedrohten Plagen treffen die Verfolger der Kirche, nicht die junge Gemeinde.

Man kann den Aufbau besser verstehen, wenn man sich vor Augen hält, dass sie wie ein heutiger Katastrophenfilm geschrieben ist. Auch dort wird am Ende das Böse besiegt, aber erst nachdem es sich so richtig ausgetobt hat, sonst wäre es ja auch kein richtiges Happy End. So finden auch im Buch der Offenbarung die, die bei der Kirche bleiben, das Heil in der Gemeinschaft mit Gott.

Und eins hat Peter Maffay erkannt: Gottes Heilszusage gilt durch alle Gefahren und Katastrophen.

Peter Maffay der Weg auf Youtube



Ein anderes Verhältnis zu Gott hat Ligabue 
 

Ligabue – Hai un momento Dio?

Vielleicht sind auch wir durch das, was wir erleben durcheinander und fragen uns, wie wird es weitergehen. Oftmals geht es nur um die Lösung eines konkreten Problems. Doch folgt oft die tiefgreifendere Frage, warum bin ich hier? Und dann die Frage, warum überhaupt? In dem Lied ist die Frage äußerst drängend wie jedes Mal, wenn sich die Frage “warum” in der Not stellt. 

Und Gott schweigt. 

So wird das Lied zum Schrei gegen den Himmel: Perché? Perché kann im Italienischem sowohl “damit” oder “weil”, als auch “warum” bedeuten. Entscheidend ist der Zusammenhang. Manche Freunde, meinten Ligabue spielt mit den beiden Bedeutungen: mal “weil/damit”, mal “warum”. 

Hört man sich aber das Lied an, dann merkt man, dass nur die Frage “Warum” gestellt oder besser heraus geschrien wird. Und so wird das Lied zum religiösen Lied. Die Sinnfrage perché - warum ist die fundamentale Frage für Menschen, die ihre Welt verstehen wollen und über die Grenzen ihrer Existenz hinaussehen. Und diese letzte Frage kann letztendlich jeder nur individuell für sich beantworten. 

“Warum” öffnet neue Welten, “damit” oder “weil” erklären sie in einer bestimmten Weise und legen sie fest. Würde perché - “damit” bedeuten, wäre die Grenze zu Ideologie schon überschritten. 

Religion aber will keine Herrschaftsverhältnisse begründen und absichern. Zumindest in der Bibel werden, die, die meinen als Mächtige Gott auf ihrer Seite zu haben, immer eines anderen belehrt. Wer es nicht glaubt, sollte mal das Magnifikat (Lukas 1, 46-55) lesen. Das perché der Bibel will helfen, Sinn zu finden, nicht aber Macht zu begründen. Fühlen sich die Mächtigen und Etablierten nicht auch von Rockmusik bedroht?
 
 

Hör, ich bin was durcheinander,
ich weiß nicht, was die Stunde geschlagen hat.
Mein ist Kühlschrank leer, aber ich muss mit dir reden, 
du gibst mir doch einen aus?

Egal ob du wie ein Engel oder Teufel bist, ich habe drei Fragen für dich: 
Wie schneidet Inter ab, wohin bringst Du mich und vor allem warum?

Warum? Dafür muss es doch einen Grund geben, oder?
Warum, vielleicht versteht das Leben, wer mehr Erfahrung hat.

Hast du einen Moment Zeit, Gott?
Nein, warum bin ich hier, sag's mir jetzt ...
Hast Du einen Moment Zeit, Gott?
Entweder du oder einer, der für dich die Arbeit macht, habt ihr einen Moment für mich?

Ich zahle alle meine Schulden, wenn ich etwas kaputt mache, zahle ich für drei.
Wie viel kostet mich deine Antwort, von oben, wie viel?
Aber Du bist da, um nicht zu antworten, als wenn du einen feinen Anzug tragen würdest,
du trinkst keinen mit, und ich spüre dich nicht, (sag mal,) wie ist das überhaupt? 

Warum?
Warum habe ich etwas, an das ich glaube, warum kann ich mich aber nicht daran erinnern, was es ist?

Hast du einen Moment Zeit, Gott?
Nein? Warum bin ich da, wenn du runterkommst, ich geb' dir auch einen aus.

Hast du einen Moment Zeit, Gott?
Ich weiß, wie sie bei dir anstehen, aber hast Du wirklich keinen Moment Zeit für mich?
In meinem Bauch fühle ich mich ganz allein, wie du dich in deinem Bauch ganz allein fühlst,
das was ich spüre, das was du spürst, sie werden nie wissen. 

Zumindest zu sich ist die Reise einmalig und wenn dort die Sonne scheint, wenn du lachst, ich wäre nicht beleidigt, warum?
Warum nicht einmal eine Antwort auf meine Warums?
Warum könntest du mir nicht mal deinen schönen Anzug leihen?

Hast du einen Moment Zeit, Gott?
Nein, warum bin ich hier, sag’s mir jetzt.
Hast Du einen Moment Zeit, Gott?
Entweder du oder einer, der für dich die Arbeit macht, habt ihr einen Moment für mich?





Ligabue - Hai un momento Dio auf Youtube


Enya - Athair ar Neamh

Ein altes gälisches Gebet  als Segen zum Abschluss der Sendung. 
 
 

Athair ar Neamh, Dia linn
Athair ar Neamh, Dia liom
M'anam, mo chroí, mo ghlóir,
moladh duit, a Dhia.

Fada an lá, go sámh
Fada an oích', gan ghruaim
Aoibhneas, áthas, grá,
moladh duit, a Dhia.

Móraim thú ó lá go lá.
Móraim thú ó oích' go hóich'.
Athair ar Neamh, Dia linn
Athair ar Neamh, Dia liom
An ghealach, an ghrian, an ghaoth,
moladh duit, a Dhia.

Vater im Himmel, sei mit uns
Vater im Himmel, sei mit mir
meine Seele, mein Herz, mein Ruhm
preisen Dich, Gott.

Lang ist der friedliche Tag
Lang ist die friedliche Nacht ohne Schwermut
Lust, Freude, Liebe
Preis sei dir, Gott

Ich verherrliche dich Tag für Tag.
Ich verherrliche dich Nacht für Nacht.
Vater im Himmel, sei mit uns
Vater im Himmel, sei mit mir
Der Mond, die Sonne, der Wind
preisen Dich, Gott.

Enya - Athai ar Neamh