Grundnahrungsmittel und Energie in KonkurrenzÜberall hört man vom Klimawandel. Diesel, Benzin, Heizöl und Gas werden für jeden spürbar teurer. Die Schwellenländer der dritten Welt wie Indien und China fragen immer mehr Energie auf den Märkten nach. Gleichzeitig wird prognostiziert, dass die Ölreserven immer knapper werden. Was ist der Ausweg aus diesem Dilemma?
Nachdem die Lebensmittelpreise über Jahrzehnte gesunken sind, steigen sie nun wieder. In Deutschland wurden die Bierpreise mit Hinweis auf gestiegene Getreidepreise erhöht. Ähnliches geschah mit den Preisen von Fleisch- und Milchprodukten, denn die Tiere fressen nun einmal Getreide. In Mitteleuropa wird ja nur ein Bruchteil des Einkommens für die Ernährung verwendet. Somit sind für den Einzelnen die Erhöhung der Lebensmittelpreise relativ leicht zu verkraften. In Entwicklungsländern ist dies jedoch anders. Hier geht ein wesentlich höherer Anteil des Einkommens in die Ernährung ein, weshalb ein Anstieg der Lebensmittelpreise wesentlich einschneidendere Folgen für die Menschen hat. In den USA geht immer mehr Mais statt in den Export nach Mittelamerika in die heimische Energieproduktion. Infolgedessen haben sich die Preise für Lebensmittel in Mexiko so erhöht, dass 100.000 Menschen auf die Strasse gingen. Sie können sich ihre Tortillas, ein Grundnahrungsmittel in Mexiko, nicht mehr leisten. In China beträgt die In-flationsrate zwar 6 %. Die Inflationsrate bei Lebensmitteln beträgt jedoch das Dreifache: 18 %. Schweinefleisch kostet sogar 56 % mehr als im Vorjahr. Dies zeigt, dass gerade Länder der sogenannten Dritten Welt vom Bioenergieboom bedroht sind. Und auch wenn z. B. wie aktuell in Südtirol ein Kraftwerk erbaut werden soll, das mit "umweltfreundlichem" Palmöl betrieben werden soll, dann hat dies erhebliche Folgen für die Umwelt: allerdings in Indonesien. Dort werden die Palmölplantagen immer weiter ausgedehnt und der Urwald immer mehr gerodet. Natürliche Lebensräume wie z. B. für den Orang-Utan verschwinden immer mehr. Die Urwaldböden sind wichtige Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid. So wird durch vermeintlich klimaschonende Monokulturen zusätzlich Treibhausgas freigesetzt. Der Anbau von Bioenergie in Monokulturen gefährdet zudem die Artenvielfalt. Gleiches gilt für die Erzeugung von Bioethanol im Amazonasbecken. Die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe soll natürlich wirtschaftlich effizient sein, daher wird die landwirtschaftliche Produktion intensiviert werden. Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel kommen zum Einsatz und auch die Gentechnik wird ein Augenmerk auf die Energieverwertung von Pflanzen haben. An der Börse sind Aktien von Bioenergiefirmen der Renner. Die Erzeugung von Bioenergie wird in der Hand von großen Konzernen liegen, die Bioenergie industriell er-zeugen werden. Die gewachsenen bäuerlichen Strukturen werden zerstört werden und die Menschen, die ihre Flächen zuvor eigenverantwortlich bearbeitet haben, werden zu Angestellten, wohl eher Tagelöhnern, werden. Ob das Ungleichgewicht zwischen Industrieländern
und Drittweltländern durch die Erzeugung nachwachsender Rohstoffen
ausgeglichen werden wird, darf mit einiger Skepsis hinterfragt werden.
Die Notwendigkeit, Energie zu sparen, bleibt gerade in den Industrieländern
bestehen. Die Frage, was kommt bei denen, die unten sind, letztlich an,
ist immer dringender. Denn letztlich werden sie mit dem Verlust ihrer natürlichen
Umwelt und ihrer sozialen Strukturen mit einem Linsengericht bezahlt. Wenn
die dann überhaupt noch angebaut werden.
Stefan Wedra Das Bildmaterial stammt von der Homepage
des Christkatholischen Hilfswerks Partner
Sein.
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